Custom Frontend vs Frontend as a Service für SAP CC: Der ehrliche TCO Vergleich
In jedem Auswahlprozess für eine neue Storefront kommt der Moment, in dem das Steering Committee fragt: „Was kostet uns das eigentlich wirklich?" Genau hier scheiden sich die Geister. Custom Frontend Anbieter rechnen häufig nur Lizenz und initiale Implementierung. Frontend as a Service Anbieter rechnen häufig nur Subscription. Beide Sichten sind unvollständig. Dieser Beitrag legt offen, wie ein ehrlicher TCO Vergleich über fünf Jahre aussieht, und welche Posten in der Praxis den größten Unterschied machen.
Warum klassische ROI Tabellen in die Irre führen
Die meisten ROI Rechnungen, die wir in Pitches sehen, machen zwei Fehler. Erstens unterschätzen sie die operativen Kosten in den Jahren zwei bis fünf. Zweitens ignorieren sie die Opportunitätskosten, die entstehen, wenn die Frontend Plattform die Geschwindigkeit der Business Roadmap nicht halten kann.
Ein realistischer TCO Vergleich braucht sechs Kategorien. Initiale Implementierung. Hosting und Infrastruktur. Laufende Wartung und Support. Feature Velocity. Compliance und Security. Opportunitätskosten durch verlorene Conversion. Wer alle sechs einbezieht, kommt zu deutlich anderen Zahlen als die klassische Pitch Folie zeigt.
Initiale Implementierung
Custom Frontend. Eine Enterprise Storefront im SAP CC Kontext kostet initial typischerweise zwischen sechshundert und zwölfhundert Personentagen. Bei realistischen Tagessätzen sind das in deutschen und europäischen Märkten ein bis zwei Millionen Euro. Hinzu kommen Discovery, Architektur, Design Tokens und QA Setup. In der Regel rechnen wir Jahr eins mit eineinhalb bis zwei Komma fünf Millionen Euro.
Frontend as a Service. Die initiale Implementierung ist deutlich kompakter, weil viele Themen bereits als Plattform vorhanden sind. UI Komponenten, Hosting, CI CD, Observability. Typische Initialkosten liegen zwischen hundertfünfzig und vierhundert Personentagen, also dreihundert bis achthundert tausend Euro für die Integration. Die Subscription liegt zusätzlich obendrauf.
Im ersten Jahr ist Custom oft sichtbar teurer, manchmal um den Faktor zwei bis drei.
Hosting und Infrastruktur
Custom Frontend. Hosting, Skalierung, CDN, Observability, Monitoring, Edge Caching. Diese Themen müssen aufgebaut, gepflegt und in Black Friday Szenarien getestet werden. Wir rechnen mit jährlichen Kosten zwischen hundertfünfzig und vierhundert tausend Euro, je nach Traffic und Setup.
Frontend as a Service. Diese Themen sind Bestandteil der Plattform. Sie zahlen sie über die Subscription, dafür aber genau einmal und ohne eigenes Team. Realistisch fallen pro Storefront zwischen achtzig und zweihundert tausend Euro pro Jahr an.
Über fünf Jahre summieren sich die Differenzen schnell auf siebenstellige Beträge.
Laufende Wartung und Support
Custom Frontend. Jeder Frontend Stack altert. Frameworks brauchen Major Updates, Sicherheitslücken müssen geschlossen werden, Browser ändern Standards. Wartung benötigt im Schnitt zwei bis vier Vollzeit Engineers, je nach Komplexität. Das sind zwischen zweihundert und sechshundert tausend Euro jährlich, ohne dass damit neue Features entstehen.
Frontend as a Service. Wartung ist Teil des Service. Updates, Sicherheitspatches, Browser Kompatibilität und Plattform Upgrades laufen kontinuierlich im Hintergrund. Ihr Team konzentriert sich auf Customizing, das wirklich differenziert.
Diese Kategorie ist häufig das stärkste Argument für FaaS. Sie spart über fünf Jahre den Gegenwert eines kompletten Engineering Teams.
Feature Velocity
Custom Frontend. Jedes neue Feature braucht Engineering Kapazität. Wenn Ihr Team gleichzeitig wartet und neu baut, sinkt die effektive Feature Velocity dramatisch. In der Praxis sehen wir Auslieferungszeiten für mittelgroße Features zwischen sechs und vierzehn Wochen.
Frontend as a Service. Komponenten sind vorhanden, der Visual Builder beschleunigt Marketing Initiativen, neue Sektionen können ohne Engineering Sprint ausgerollt werden. Auslieferungszeiten für mittelgroße Features liegen typischerweise zwischen drei und sechs Wochen.
Über fünf Jahre liefert das eine FaaS Plattform schätzungsweise das Doppelte an Features im gleichen Zeitfenster.
Compliance und Security
Custom Frontend. PCI DSS, DSGVO, Accessibility nach WCAG, sichere Authentifizierungsflows. All das muss selbst geprüft, dokumentiert und kontinuierlich gepflegt werden. Externe Audits sind regelmäßig nötig.
Frontend as a Service. Die Plattform bringt die Frameworks bereits compliance fähig mit. Sie liefern Templates, Audit Trails und Reporting. Ihr Team muss die Customer Logik prüfen, nicht die gesamte Plattform.
In regulierten Branchen wie Pharma, Fintech oder Health spart das schnell sechsstellige Beträge pro Jahr.
Opportunitätskosten
Hier liegt der größte ungesehene Posten. Wenn das Custom Frontend Mobile Core Web Vitals nicht erreicht, verlieren Sie Conversion. Wenn neue Funnel Tests Wochen statt Tage brauchen, verlieren Sie Optimierungspotenzial. Wenn Multibrand Erweiterungen ein eigenes Projekt sind, verlieren Sie Markteintrittszeit.
Diese Kosten lassen sich pro Storefront überschlägig modellieren. Bei einem Merchant mit fünfzig Millionen Euro Online Revenue genügen zwei Prozent verlorene Conversion über zwei Jahre, um die gesamten initialen Mehrkosten eines Custom Projects zu übersteigen.
Die Fünf Jahres Summe
Wer alle sechs Kategorien sauber kalkuliert, kommt bei einer typischen Enterprise Storefront mit zehn bis fünfzig Millionen Euro Revenue auf folgende Größenordnung.
Custom Frontend Pfad. Zwischen acht und vierzehn Millionen Euro über fünf Jahre.
Frontend as a Service Pfad. Zwischen vier und sieben Millionen Euro über fünf Jahre.
Die Differenz ist nicht klein. Sie ist groß genug, um die Strategie der nächsten Phase zu finanzieren.
Wo Custom trotzdem Sinn ergibt
In ehrlichen Beratungen sagen wir nicht reflexartig FaaS. Custom Build kann der richtige Weg sein, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Erstens das Frontend ist Kernbestandteil der Marken DNA mit hoher Differenzierung. Zweitens das Team hat zehn oder mehr dedizierte Frontend Engineers. Drittens die Geschäftsführung akzeptiert eine Plattform Investition als langfristiges Asset. Wenn auch nur eine dieser Bedingungen fehlt, gewinnt der TCO Vergleich in den meisten Fällen die FaaS Seite.
Fazit
Der ehrliche TCO Vergleich zeigt, dass Frontend as a Service über fünf Jahre meistens die wirtschaftlichere Wahl ist. Das gilt nicht nur für kleinere Setups, sondern gerade für Enterprise Merchants mit Multibrand Strukturen und hohem Innovationsdruck. Wer den Vergleich für die eigene Situation rechnen will, sollte die sechs Kategorien sauber durchgehen statt der typischen Drei Posten Pitch Folie.
Wir helfen Enterprise Merchants regelmäßig dabei, einen belastbaren TCO Case für ihre Storefront aufzubauen. Wenn Sie eine ehrliche Sicht für Ihr Setup brauchen, sprechen Sie uns an.
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Weiterführend: Headless Frontend für SAP Commerce Cloud.
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